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Johannes Kreidler Komponist

Fremdarbeit (2009)

für Ensemble, Sampler und Moderator

Dauer: 11' + Moderation

UA: 7.11.2009, Berlin, Klangwerkstatt, Ensemble Mosaik / Künstlerhaus Bethanien, Mariannenplatz 2, 20.30h

Weitere Aufführungen:

11.10.2013 Chicago, Ensemble Dal Niente
6.2013 Adevantgarde, Decoder Ensemble / München
5.2013 Nishny Novgorod / Russland, Ensemble Mosaik
22.1.2013 Ultraschall Berlin, Ensemble Mosaik
31.10.2012 ISCM World New Music Days, Nadar Ensemble / Gent, Belgien
9.9.2012 ICMC International Computer Music Conference, N.N. / Ljubljana, Slowenien
10.5.2012 Spor Festival Arhus, Ensemble Scenatet / Arhus, Dänemark
2.12.2011 Rainy Days Luxemburg, Ensemble Lucilin / Luxemburg
20.10.2011 De Singel, Ensemble Nadar / Antwerpen, Belgien
9.9.2010 Ultima Festival, Ensemble Mosaik / Oslo, Norwegen

Documentary / Dokumentation (german with english subtitles):

YouTube-Link

Aufnahme des ganzen Stücks / Recording of the entire piece:

Radiofeature auf DeutschlandRadio Kultur vom 4.6.2010:

Und hier eine Hörerreaktion.

Links: Neues Deutschland // Gulli // Telepolis // Polignostix (2) // NetNewMusic // Neue Musikzeitung // Musikpirat // Berlin-Off // Kulturarbeiter // Digitale Notizen
Am Donnerstag, 5.11. um 19h und Samstag, 8.11. um 16h wird bei RadioArty auf MotorFm berichtet.

Fremdarbeit nennt der Komponist Neuer Musik Johannes Kreidler (29) die Kunstaktion, für die er einen Komponisten aus China und einen Audioprogrammierer aus Indien angeheuert hat, um typische Exemplare seiner eigenen Musik billig produzieren zu lassen.

Ausgangspunkt war ein Kompositionsauftrag für das Festival Klangwerkstatt Berlin, bei dem am 7.11.2009 um 20.30 Uhr im Studio 1 des Künstlerhaus Bethanien, Mariannenplatz 2 in Berlin-Kreuzberg ein neues Musikwerk des Künstlers gespielt werden soll. Statt dafür aber selbst etwas zu komponieren, hat Kreidler im Internet Komponisten aus Billiglohnländern ausfindig gemacht, von denen er sich nach den Vorgaben des Festivals mehrere Musikstücke hat schreiben lassen, die seinen eigenen Musikstil plagiieren. So liegen die Produktionskosten für das Auftragswerk wesentlich unter dem Honorarbetrag, den er selbst einstreicht.

Mit der Aktion thematisiert Kreidler die global ungleichen Löhne und das Outsourcing in einschlägige Billiglohnländer, die für im Westen vergleichsweise teuer verkaufte Waren ausgebeutet werden. Mit seiner Kunstaktion führt er diese Mechanismen provokant vor und enthält sich jeder scheinbar versöhnlichen Geste, die der ökonomischen Realität widerspräche. Außerdem stellt er die Frage nach der Autorschaft und dem Urheberrecht, indem er an die Kultur des Kopierens und Plagiierens anknüpft, für die gerade China bekannt ist. Die fertigen Stücke hat Kreidler seinen „Fremdarbeitern“ abgekauft, so dass das gesamte Werk rechtlich allein ihm gehört und durch die GEMA weiterverwertet wird.

Download Pressemitteilung

In 2009, I received a commission from Klangwerkstatt Berlin for a new piece for Ensemble Mosaik. Then, I searched on the Internet for composers in China who offer their skills. I found Xia Non Xiang, whom I gave recent compositions of mine; he should write a style imitation of my music for Ensemble Mosaik. Furthermore, I looked for a cheap programmer in India and found Ramesh Murraybay. I gave him the same pieces that I gave Xiang; Murraybay was asked to write a software that is algorithmically imitating my music. A third task was: Xiang should use Murraybay’s Software… The music I received from Asia actually sounds like my music, but is also different. One point of this concept is the question of authorship: Who actually composed this music? A second is exploitation. Like industry does, I switched production into cheap countries. I received 1500€ for my commission, whereas for my workers in Asia who wrote the score I only had to pay 150$.

Trailer:

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