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Johannes Kreidler Komponist

Call Wolfgang (2008)

terrorist generated content

Installation / Netzaktion

Zwei Computer telefonieren via VoIP miteinander und generieren automatisch vermeintliche Terrorabsprachen.

Letzte Neuigkeit:

Das BKA verweigert gegenüber Journalisten eine Stellungnahme zu der Aktion.

Links

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Radio Fritz bringt am 16.12. nachmittags einen Interview.

MDR Figaro bringt am 30.12. um 12.15h einen Bericht von Stefan Römermann über die Aktion.

Radio Blau am 11.12. um 17h, Studio Ansage am 12.12. um 17:25h, Radio F.R.E.I. und zip-fm am 16.12. bringen einen Freie-Radios-Bericht über die Aktion.

Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung beginnt im Januar 2009 mit einer deutschlandweiten Kino-Tournee in über 120 Häusern, bei der auch der "Call-Wolfgang"-Trailer gezeigt wird.

Ausgehend von der "Call-Wolfgang"-Idee wird Johannes Kreidler 2009 ein Hörspiel für den Hessischen Rundfunk produzieren.

Vorankündigung bei Telepolis im Zuge der GEMA-Aktion

"Sehr verdächtige Begriffe" - Der Fall Andrej Holm (Telepolis)

Ist jedes Telefonat ein Telefonat mit Schäuble?

Interview mit Johannes Kreidler zu seiner Aktion „Call Wolfgang“. Das Gespräch führte Christian Fischer.

F: Sie haben eine „Installation“ eingerichtet, zwei Computer, die automatisch miteinander kommunizieren, und zwar ist es ein Telefongespräch mit vermeintlich terroristischem Inhalt. Wollen Sie das Bundeskriminalamt provozieren?

K: Das BKA provoziert mit seinem Abhörwahn ja erst mal mich.

F: Sie lassen die Computer bestimmte Schlagwörter sprechen, die nach einem aufsehenerregenden Fall 2007 das BKA veranlasst haben, einen harmlosen Soziologen zu verhaften.

K: Ja, es geht um Dr. Andrej Holm, der die Wörter „Prekarisierung“, „Reproduktion“, „marxistisch-leninistisch“ und andere in seinen im Internet veröffentlichten Texten verwendete. Und weil er auch noch Zugang zu Universitätsbibliotheken hatte, genügte das als Verdachtsmoment, er und seine Familie wurden fast ein Jahr lang observiert und schließlich nahm man ihn auch noch drei Wochen lang fest. Wegen dieser Wörter! Ich habe übrigens auch Zugang zu Universitätsbibliotheken, und wohne neben der Berliner Staatsbibliothek. Ich sollte mich wohl gleich stellen.

F: Aber ist nach diesem Versehen Ihre Aktion nicht erst Recht irrelevant für das BKA?

K: Und ob! Diese Computer werden sich bestimmt nie in die Luft sprengen, und ebenso harmlos sind Millionen Emails, die täglich in Deutschland verschickt werden. Wer die Energie für Kriminelles hat, wird auch das bisschen Energie haben, seine Emails im Internetcafé zu schreiben, das kann sich doch jedes Kind denken. Aber trotzdem will der Innenminister so viele Daten aus privaten Haushalten per Gesetz sammeln, Vorratsdatenspeicherung, Telekommunikationsüberwachung, man weiß nie, ob sein Telefonat nicht auch ein Telefonat mit Schäuble ist.

F: Und Sie nutzen jetzt diese Aufmerksamkeit?

K: Es fragt sich ja schon, ob das zuhörende BKA nicht bald der Telefonseelsorge Konkurrenz macht. Jedenfalls darf die Aufmerksamkeit nicht ungenutzt bleiben, ich empfinde da einen Bildungsauftrag und inszeniere ein Hörspiel, einen algorithmischen Theaterdialog in Abhörkulisse.

F: Es kommt in der Installation auch Ihre Musik vor, das Stück „product placements“ aus der Aktion gegen das Urheberrecht und seiner GEMA-Handhabe in digitalen Zeiten…

K: Da wie auch jetzt geht es um die Freiheit, die in der digitalen Revolution gewonnen wurde und um den Kampf gegen die Konterrevolution, die diese Freiheiten wieder rückgängig machen will. Man muss für die Zukunftschancen der digitalen Welt, Demokratisierung von Produktionsmitteln, neue Kommunikationswege, Kreativität und Verbreitung von Kultur kämpfen.

F: Also - Ein permanenter Telefonstreich?

K: Ja, Kunst muss verdächtig sein, das ist ihre Aura.

Call Wolfgang wurde ausgestellt bei "C_You. Sichtbarkeit als Sicherheit", 22.1. - 7.2.2010 im Kino 46 Bremen

Link zur Ausstellung.